eCommerce-Podcast #5

Nach der letzten Spontan-Podcast-Session in einem Bayreuther Hotelzimmer haben wir die neue Ausgabe des eCommerce-Podcast wieder in vertrauter und technisch höherwertiger Umgebung aufgenommen. Dieses Mal gibt’s wieder mehr Struktur, wir haben uns auf gut 30 Minuten Aufnahmezeit beschränkt und uns vornehmlich dem Thema Dealseiten wie Groupon & Co. gewidmet:

Groupon:

  • Citydeal als Groupon-Klon von den Samwers erstellt und im Mai 2010 an Groupon verkauft für (unbestätigt) USD 100 Mio.
  • Groupon peilt IPO (Börsengang) für 2012 an (erwartete Einnahmen: USD 25 Milliarden)
  • Kritik an Groupon von Kunden- und Anbieterseite (Handelskraft)
  • Hat Google-Übernahme für USD 6 Milliarden abgelehnt (faz.net)

Zahlenspiele:

Die Groupon-Zahlen mal in “verständlich”

Stellen wir uns mal vor, Groupon verkauft ein Paket Papier zu 10 Euro, kauft dieses Paket Papier aber nur zu 5 Euro ein, dann ist der sogenannte “Gross Profit” (dt. Rohertrag), mit dem Groupon aktuell in der Presse wirbt, 5 Euro.

10 Euro      - 5 Euro       = 5 Euro
Warenverkauf - Wareneinkauf = Rohertrag

Was hierbei aber nicht eingerechnet ist, sind alle Nebenkosten wie Personal- und Gebäudekosten. Gehen wir also mal davon aus, dass diese Kosten auf 1 Paket runtergerechnet 15 Euro ausmachen, sieht die Rechnung so aus:

10 Euro      - 5 Euro       - 15 Euro        = -10 Euro
Warenverkauf - Wareneinkauf - Betriebskosten = Operativer Gewinn

Steuern und sonstige Kosten mal noch nicht mitgerechnet.

Wenn man sich also die 10.000 Angestellten auch noch dazudenkt dann ergibt sich, statt dem Rohertrag von USD 280 Mio (2010), ein “Operating Profit” (dt. operativer Gewinn) von USD -456 Mio – also zusätzliche USD 736 Mio Ausgaben.

Fundstück des Podcasts: social-deal.de – Einkaufen für einen guten Zweck.

Main-Zoo: mainzoo.de – Würzburger Nischengeschäft im Zoo-Bereich

Erklärbär

Operating Profit
Der operative Gewinn ist der Gewinn, den ein Unternehmen mit seinen Geschäftstätigkeiten erzielt, z.B. aus dem Verkauf selbst hergestellter Produkte. Zum operativen Gewinn gehören nicht Verkaufserlöse von Tochtergesellschaften und Firmenanteilen oder Erträge aus Finanzanlagen. FTD Börsenglossar
Gross Profit
Als Rohertrag, Rohgewinn oder Bruttoertrag (engl. Gross Profit) bezeichnet man die Differenz zwischen Umsatz und Waren- bzw. Materialeinsatz eines Unternehmens. Wikipedia

Update: Auf ecompunk.com habe ich mir noch ein paar weitere Gedanken über Groupon gemacht, das jetzt offiziell den Börsengang verschoben hat. (Oh Groupon, where art thou headed?)

Über Roman Zenner

Roman Zenner arbeitet seit 2004 als frei- beruflicher Berater, Programmierer und Autor, wobei er sich vor allem auf die Themen E-Commerce und Online-Marketing konzentriert. Er ist Autor des im O'Reilly-Verlag erschienenen Buchs „Onlineshops mit Magento“ und Co-Autor des ebenfalls bei O'Reilly veröffentlichten „Magento – Das Handbuch für Entwickler“. Auf romanzenner.com bloggt er regelmäßig über neue Entwicklungen in der Welt des digitalen Handels und konzentriert sich dabei in letzter Zeit verstärkt auf das Thema Mobile Commerce.
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4 Antworten auf eCommerce-Podcast #5

  1. Thomas sagt:

    Hallo, ich hoffe die Kritik an Eurer letzten Episode war nicht demotivierend. Ich habe mich gestern jedenfalls gefreut, als sich in iTunes die aktuelle, fuenfte Episode geladen hat. Was die ideale Dauer einer Episode angeht, da kann man ja reichlich diskutieren. Mir persönlich passen die 30 min besser, als eine ganze Stunde.
    Bei Groupon dürfte im nächsten Jahr die allgemeine Entwicklung der Finanzmärkte entscheidend sein. Ich glaube nicht, dass es sich auf Dauer um ein tragfähiges Geschäftsmodell handelt. Da geht es wohl eher um einen lukrativen Exit der Geldgeber. Ob der im nächsten Jahr allerdings noch möglich sein wird, wird sich zeigen.
    Viele Grüße, Thomas

  2. Hallo,
    ersteinmal der absolut nötige Glückwunsch zu euren Podcasts und ein ganz ausdrückliches Dankeschön für eure Zeit, Mühen und die Weitergabe des KnowHows! Ich bin mir sicher, dass sich dieser Podcast zu einem Standardwerk für E-Commercetreibende entwickeln wird .

    Kurz zum Thema des ECPC5 (eigentlich hasse ich Abkürzungen):

    Es gab einen kurzen Ausflug zu einem Blogpost von Handelskraft (http://www.handelskraft.de/2011/08/groupon-ist-nichts-fuer-jedermann-aus-gutem-grund/#more-9374), bei dem mir spontan eingefallen ist, wie es denn dann ohne Groupon besser geht.
    Die Argumente “Kunden, die man nicht haben will” oder “Halten des Listenpreises nach der Aktion” sind absolut stechend für den angesprochenen Markt und daher sind Gastronomen und Hoteliers einfach davor gewarnt, so etwas zu tun und sich auf Groupon oder einen seiner Klone einzulassen. Die 50% Schwelle ist einfach für diesen Markt nicht praktikabel und die Wucht, die hinter diesen Seiten steht, ist für kleine Betriebe manchmal einfach nicht auszuhalten.

    Kurzer Ausflug zum letzten Dealversuch von notebooksbilliger.de auf Facebook (http://www.crn.de/hardware/artikel-92146.html ): Selbst das ist gescheitert und musste abgeblasen werden. Zwar wohl eher aus technischen Gründen, aber es zeigt, welche gewaltigen Lawinen solche Deals auslösen können.

    Zurück zu den Gaststätten.
    Ich kenne aus eigener Erfahrungen eine Initiative die es, wie ich finde, besser macht. Auch hier werden Gutscheine mit Rabatten vergeben, aber nicht als Einzelkämpfer über Megadealseiten wie Groupon sondern als Gemeinschaft unter Marktbegleitern in einer Initiative. Gemeint ist http://www.wm-a-la-carte.de . Hier haben sich regionale Hotels & Gaststätten zusammen getan (und nicht wenig) und verkaufen ein Gutscheinbuch im Werte von ca. 800,-€ für knapp 20,-€. In diesem Buch sind dann Coupons mit z.B. 50% Aktionen bei den teilnehmenden Gaststätten oder Hotels enthalten (www.wm-a-la-carte.de/gutscheinbuch). Diese Art und Weise der (regionalen) Vermarktung und Werbung für Unternehmen ist meiner Meinung nach ein richtig guter und seröser Weg. Die oben genannten Gegenargumente stechen hier nicht, da es sich um eine absolut argumentierbare Aktion handelt.

    Ich für meine Teil denk schon länger darüber nach, wie man dieses Konzept auch auf andere Geschäftsbereiche und in eShops umsetzen kann. Vor allem, um nicht noch einen Grouponklon erstellen zu müssen. Den eins ist unbestritten: Deals oder Dealseiten bewegen die Massen und sind extrem einschlagende Werbung (notebooksbilliger.de hat mit seiner Aktion auf Facebook über 70.000 Likes in drei Tagen generiert). Wer da Tipps oder offene Projekte hat, darf sich gerne bei mir melden.

    (Übrigens schreibe über das Gutscheinbuch nicht, weil ich an irgendeiner Gaststätte, Hotel oder erstellenden Agentur beteiligt bin. Ich liebe die Aktion, weil ich jedes Jahr ein Weihnachtsgeschenk für meine Schwiegereltern habe ;-))

    Liebe Grüße aus dem Münsterland
    Dietmar Sicking

  3. Mario T sagt:

    Hallo, wollte nur kurz anmerken dass man angeblich ab sofort schon von Anfang an bei Facebook Pages die Vanity-URL verwenden kann. Ganz früher waren es 100 benötigte Fans und schon seit einiger Zeit sind es nur noch 25 Fans die benötigt werden.

    Und natürlich danke für den tollen Podcast ;-)

    Viele Grüße
    Mario Träger

    • Jens sagt:

      ” Hallo,

      mit Spannung habe ich euren Podcast gehört und fand ihn auch sehr gut. Einzig, die Tatsache, dass Ihr fälschlicherweise von Mini-Deal als Dealanbieter sprecht finde ich falsch. Mini-Deal ist ein ganz normaler WordPress-Blog mit Schnäppchenfokus :-)

      Gefreut hätte es mich natürlich auch, wenn Ihr von noch mehr Aggregatoren berichtet hättet, die alle Ihre Reize haben. So beispielsweise die Seite von Preisgenial die alle Deals auflistet. Dort sind schon 27 Anbieter inkludiert und es gibt noch mehr. In Zukunft kann man wohl erwarten, dass der Wettbewerb immer größer wird, da die großen Anbieter wie Groupon und Dailydeal auf Grund ihrer für die Dealpartner schlechten Konditionen schwächeln. Das ist natürlich gut für die Aggregatoren und mach sie noch nützlicher :-) Bin gespannt wohin es sich entwickelt.

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